Sonntag, März 09, 2008

"It's all part of the game!"

was ist „the game“? zum beispiel das: Eine dunkle gestalt wandert durch die schmuddeligen gassen von west baltimore. der flatternder renchcoat zeigt eine pumpgun an der seite des albtraums der amerikanischen mittelklasse. der mittelgroße afro-amerikaner, ende zwanzig, pfeift eine melodie und auf einmal hört man überall die warnende rufe von kindern, die auf der straße spielen: „Omar coming! Omar coming!“ er geht um die ecke und ein paar „corner boys“ ergreifen die flucht. Omar Little bleibt stehen und ruft zum himmel: „nun macht schon!“ woraufhin im fenster in der etage über ihm eine hand erscheint und eine plastiktüte mit geld herunterfallen lässt.

Omar Little ist nur eine der vielen originellen charaktere der besten, sozialkritischen us-dramaserie „The Wire“. heute abend läuft im abendprogramm von HBO die letzte folge der fünf staffeln, die jedesmal fiktive, aber durchaus realistische einblicke in andere bereiche des lebens in baltimore erlauben.

schlechte ausrüstung, selten hilfe vom fbi, probleme mit der verwaltung und die schnelllebigkeit und wandlungen des kriminellen millieus sind die herausforderungen der polizisten, die ebenso mit ihren eigenen charakterlichen schwächen zu kämpfen haben.
moral und eigene ethische massstäbe werden ständig hinterfragt, wenn die politik von oben nur saubere statistiken erwartet. wir sehen einzelschicksale moderner entfremdung, wie den alkoholiker und unheimlich nervenden Jimmy McNulty- der polizist der alles zum rollen bringt. wir sehen kriminelle die selten so starke charaktere bekommen wie in dieser serie. Avon Barksdale und Stringer Bell sind neben Tony Soprano so ziemlich die coolsten und berechnendsten gangsterbosse der tv-seriengeschichte.

daneben steht eine art robin- hood- charakter – Omar. der nur kriminelle überfällt und die drogen entweder an diese zurückverkauft oder an junkies verschenkt. oder Bodie – ein teenager und kleiner dealer, der bei den generationenwechseln und immer gewaltätiger werdenen gangs in westbaltimore, trotz allem ein ehrgefühl bewahrt.
da sind die verschiedenen politikertypen von jenen die korrupt sind um positives zu bewegen und jenen die korrupt sind um sich zu bereichern. auch anwälte verschiedenster arbeitsstile kommen bei „the wire“ vor. wir bekommen aber auch eine welt gezeigt, in der über 40 Jahre nach der bürgerrchtsbewegung noch immer ein kriminelles leben für viele junge afro-amerikaner die einzige chance ist, etwas aus sich zu machen.

das Time-Magazin urteilte über diese serie kürzlich: „TV’s best drama isn’t a cop show. It’s the news.” Dieser realsimus ist es, der diese serie so großartig macht. die hälfte der schauspieler (der gangster) waren auch im echten leben gangster und im gefängnis. die ablehnung der bosse, als ursprung allen übels – egal in welchem themenkomplex, könnte ein bisschen nerven, zeigt jedoch die haltung der erfinder der serie: in der vergangenheit selbst polizist und journalist in baltimore gewesen.

aber diese serie besteht aus so viel mehr! ich kann nur sagen, wer „The Wire“ kennenlernen will, darf nicht nur eine folge oder zwei oder drei sehen. am besten jeden abend eine folge schauen – denn dann nimmt man die geschichte in ihrer gesamtheit am besten auf. letztenendes ist es ein 60 mal 50 minutenlanges epos und die zeit die man damit verbringt ist es mehr als wert. mein favorisierter sendeplatz für diese geniale tv-produktion wäre der montag um 21.15 uhr auf vox oder kabel. vielleicht hat einer dieser sender ja irgendwann mal den mut dazu, diese serie zu kaufen.

DIE THEMEN DER 5 STAFFELN


die erste staffel zeigt die gang- und drogenkultur. eifrige („natural police“) und faule polizisten, chiefs die geschönte kriminalitätsstatistiken wollen und dazu eine gang deren kriminelle strukturen schon als organisiertes verbrechen zu bezeichnen sind, bilden den rahmen in dem teenager zu dealern und mördern werden.

die zweite staffel spielt am hafen von baltimore. Es gibt vollkommen neue hauptfiguren und noch mehr kriminelle. es tauchen die gleichen polizisten wieder auf und eine europäische kriminalbande. menschenhandel und drogen sind der rote faden der wieder zur gang in westbaltimore führen. wir sehen die sterbende hafenwirtschaft im post-industriellen baltimore und nehmen an den tragischen leben von hafenarbeitern, polizisten und gangstern teil.

die drittel staffel zeigt die politische seite der stadt. ein ambitionierter stadtabgeordneter will der stadt helfen und tritt zur bürgermeister wahl an. dieser junge mann mit italienischen background tritt in einer stadt mit 70% afro-amerikanischer bevölkerung an. während man tiefe einblicke in den wahlkampf und die politischen machenschaften über den dächern der stadt erhält, versucht sich ein major der polizei mit einer irren idee. er legalisiert in einem leeren stadtteil die drogen um die kriminalität aus den bewohnten gebieten zu verbannen.

staffel vier hat den schwerpunkt auf das marode bildungssystem gelegt. wir
begleiten vier zwölfjährige, deren eltern, brüder oder freunde alle schon im kriminellen milieu von west baltimore involviert sind und die alle auch auf der ersten stufe einer kriminellen, gewalt dominierten karriere stehen.

die fünfte staffel ist die letzte und führt schließlich noch das versagen der medien an. wir sehen, wie der journalismus unter dem druck der aktionäre und der chefs an schlagkraft verliert. Alle noch lebenden charaktere aus den vorigen staffeln werden noch einmal verfolgt und in der letzten folge, die in vier stunden auf HBO laufen wird, werden einige die folgen für ihren lebens- und
arbeitsstil tragen und einige ohne gerechte strafe davonkommen.

warum ich das hier schreibe? nun ja, in ca. vier stunden läuft in den USA die letzte folge auf HBO und für mich enden damit exakt 13 monate, in denen ich 4 staffeln von "the wire" zweimal geschaut habe und nun die 5. staffel sozusagen "live" konsummieren konnte. die serie war für mich eine ebenso große bereicherung, wie ein gutes buch und deshalb möchte ich euch daran teilhaben. ich bin damals in einem feulletonartikel der zeit, bei einem artikel zum tollen sender HBO, über diese serie gestolpert. das konzept, in jeder staffel einen anderen teil des lebens einer amerikanischen großstadt darzustellen faszinierte mich. daher das ganze geschwafel.

7 Kommentare:

.hejRon hat gesagt…

Das klingt sehr interessant!
Und am Anfang des Textes meinst du sicher den Trench Coat .. :o)

Ich war gestern in Kino zu Michael Cleyton. Der Film ist echt sehr sehenswert! Ich frage mich blos, warum nun für ihre Rolle als Nebendarstellerin Tilds Swinton einen Oscar bekam? Für die überzeugenste Darstellung eines Schweißfleckes unter den Armen? Nun, sie hat nicht schlecht gespielt, aber Oscar-reif war es - meiner Meinung nach - nun wahrlich nicht.

Wegen eures Besuches melde ich mich in Kürze noch mal dir...

.hejRon hat gesagt…

BEI - das bitte an fehlender Stelle einsetzen...

Annika hat gesagt…

Jawoll!!! Cate Blanchett hätte nämlich den Oscar verdient!!!

.hejRon hat gesagt…

Genau Annika!

Anonym hat gesagt…

Trenchcoat nicht Trench Coat! Du meintest sicherlich auch du warst IM Kino und hast "Michael Clayton" gesehen. Und bloss schreibt man mit zwei s und die Frau Swinton heisst auch Tilda.

.hejRon hat gesagt…

liebe(r) anonym, einerseits vielen dank für die hinweise und die gut gemeinten ratschläge bezüglich der rechtschreibung.
und andererseits will ich auch "klu*****ßen", denn
bloß wird mit "ß" geschrieben, nicht mit doppel s - genauso auch straße oder groß...

und die kommentarfunktion hier im blog soll ja mehr als informationsaustausch dienen...

und susi, der kurzaufenthalt in der zone eurerseits hat mir viel spaß (hier auch mit ß) gemacht. und ich bin zu einem ergebnis gekommen, der film bekommt von mir 2 von5 punkten. der ist mir heute den ganzen tag nicht ausm kopf gegangen. ich kam auch auf den gedanken, ihn als tarantino-lynch epos zu sehen... textlastig und schöne aber sinnfreie szenen.. naja...

erinnere mich noch mal -per email am besten- an hallam foe!

Anonym hat gesagt…

wir fanden den dresden-trip auch schön. ich esse meine pizza jetzt nur noch mit rucola!!!

Beitragende