Sonntag, März 07, 2010
Futterliebe
Auch ich habe immer Hunger. Mein Mann ist der festen Überzeugung, dass ich in der Wildnis am längsten überleben würde, weil ich das letzte Wasser und das letzte Stück Brot bekäme. Merkwürdiger Weise darf ich einen großen Futterneid mein eigen nennen, obwohl ich in der Kindheit nur einen Mitstreiter um das reichlich vorhandene Essen hatte. Ist es an mir, die Nahrung aufzuteilen, bemühe ich mich um ein gerechtes 50:50 Verhältnis. Egal, ob mein Mitesser 20 Kilo leichter oder schwerer als ich ist. Etwas in mir drängt sogar danach, mir immer etwas mehr zu geben, das größere, saftigere Stück Fleisch. Nun bin ich aber in einer Beziehung, was mich in eine verzwickte Lage bringt. Weil ich meinen Partner liebe, muss ich mich um sein Wohlergehen kümmern, sprich: ihm das saftigere Stück Fleisch geben. Das mache ich auch – aber es fällt mir schwer. Doch ich will Futter und Liebe.
Um sein Fressen zu bekommen und trotzdem die Bequemlichkeit nicht aufzugeben, hat mein Stubentiger ein ausgeklügeltes Verfahren entwickelt. Sehen wir abends gemütlich mit unseren Bettdecken im Wohnzimmer fern, so kuschelt sich der Schmusekater direkt zwischen uns. Wollen wir dann ins Bett gehen – natürlich mit der Decke – verharrt er mit großen Augen in seiner Position. Daraufhin holen wir die Leckerlis aus dem Schrank und klappern verheißungsvoll mit der Dose. Anfangs löste das bei dem hungrigen Tier einen bedingten Reflex aus. Es stürmte in die Küche zum Futter und zack – war die Decke unser. Das muss doch auch anders gehen, dachte sich der kleine Kerl und widerstand dem köstlichen Geklapper. Erst wenn eines der kleinen Leckerbissen vor seiner Nase geschwenkt und dann in den Raum geworfen wurde, jagte er dem Objekt seiner Begierde heißhungrig hinterher. Nun aber hat er seine Selbstbeherrschungskräfte vollständig mobilisiert. Er bleibt sitzen, auf der Decke, wo es schön warm und gemütlich ist. Man muss ihn erst mit einem Leckerli anfüttern, damit er überhaupt reagiert. Dann legen wir es ein Stück von ihm entfernt aufs Sofa. Das kluge Tier reckt sich und streckt sich, robbt mit den Vorderpfoten in die gewünschte Richtung und verschlingt das kleine Häppchen – mit dem Arsch stets auf der Decke.
Man kann also beides haben, denke ich mir, während ich den kleinen Kerl beobachte: Futter und einen Platz zum Kuscheln. Dem habe ich meine Strategie angepasst. Ich schaufle meinem Mann jetzt immer wesentlich mehr Essen auf den Teller als mir. Und da er mich liebt, und sich um mich kümmert, gibt er mir mehr als die Hälfte wieder zurück. Bei der Katze sind wir nun allerdings dazu übergegangen, ihr die Decke einfach ohne Leckerbissen unterm Hintern wegzuziehen. Ich hoffe, das passiert mir nicht auch.
Montag, Februar 08, 2010
Östrogenes Einparken
Nachmittags berichte ich diese neuen Erkenntnisse sofort meinem Mann. Der kriegt sich kaum wieder ein vor Lachen: „Muss ich dich also immer fragen, wann dein Eisprung ist, bevor ich dich einparken lasse?“ „Oh ne“, korrigiere ich ihn leicht entnervt und verdrehe die Augen, „damit hat das doch nichts zu tun, sondern mit dem 3-D-Denken.“ Dass er auch nie richtig zuhört.
Am nächsten Tag brechen wir zu einem romantischen Ausflug auf. Mit all ihrer Kraft hat die Sonne es geschafft, das glitzernde Weiß, welches die ganze Stadt in einen Dornröschenschlaf versetzt hatte, von meinem Auto wegzutauen. Erst beim dritten Versuch bekomme ich meine sauber eingeparkte rote Zora über den Schneeberg, der sich vor meinem Vehikel gebildet hat. Nach unserem Spaziergang wird mir beim Gedanken an die verharschte Parklandschaft schon ganz mulmig zumute. „Magst du vielleicht zurückfahren?“, frage ich meinen Mann betont unbekümmert. „Warum?“, hakt er misstrauisch nach. „Na ja, stammele ich betreten. Wegen der vereisten Parkplätze und so ...“ „Ach, ich dachte, Frauen können so gut einparken“, entgegnet er spitz. Kleinlaut versuche ich mich herauszureden: „Aber ich hatte doch gerade meinen Eisprung.“ Hoffentlich merkt er nicht, dass ... „Aber das hat doch damit nichts zu tun“, kontert er locker. „Das hat nur Einfluss auf deine räumliche Vorstellungskraft.“ Mist, manchmal hören Männer eben doch richtig zu.
Montag, Februar 01, 2010
Nachbarschaftslieder
„Macht doch mal einer das Ding aus“, denke ich schlaftrunken und klopfe suchend das Bücherregal neben meinem Bett ab. Mein Wecker klingelt in einer unfassbaren Lautstärke und spielt auch noch eine furchtbare, FURCHTBARE Melodie! Was ist denn bloß los? Mühsam löse ich meine verklebten Wimpern vom unteren Lid und erspähe durch den freigewordenen Schlitz den Wecker: 5.15 Uhr!! Da stimmt etwas nicht. Plötzlich bin ich hellwach. Es kann doch nicht wahr sein, die Olle singt schon wieder! Ich habe mich ja daran gewöhnt, mir im Rhythmus ihrer Schlager die Zähne zu putzen, auf dem Klo im Takt zu schunkeln, aber um 5.15 Uhr loszugröhlen – das geht echt zu weit. „Hallo, halloooo! Kannst du mich hööööören?“, krächzt sie aus voller Kehle. „Ja, ich höre dich!“, brülle ich zurück. Damit habe ich aber sicher nur das restliche Haus geweckt. Sie muss Kopfhörer auf den Ohren haben. Sonst kann man gar nicht so schief singen.
Knappe zwei schlaflose Stunden später stehe ich auf und beschließe dem ganzen ein Ende zu bereiten. Doch leider weiß ich nicht genau, wer dort so scheußlich singt. Klar habe ich einen Verdacht: Es muss die Schrullige von oben sein. Dieser Gartenzwerg, der an meiner Tür klingelt und mich fragt, ob ich für ihren Schwiegervater ein Gedicht schreiben könne. Er säße nun im Rollstuhl und brauche etwas Aufmunterung. Ich sei doch Schriftstellerin. Diese dreiste Person, die morgens um 7 vor meiner Tür steht und mir erzählt, sie habe einen neuen Drucker, aber der funktioniere irgendwie nicht richtig. Ob ich den nicht mal KURZ reparieren könne. Aber was, wenn es die Nachbarin aus dem anderen Haus ist? Die Wohnungen sind ja sehr hellhörig und ich will niemanden zu Unrecht verurteilen ...
Das Glück ist mir hold. Auf dem Rückweg von der Mülltonne höre ich Schritte im Flur. Ich verharre in meiner Position und warte. Tatsächlich, eingemummelt in eine bonbonlila-Glänzejacke, mit einer Kapuze auf dem Kopp, die sie wie einen schwulen Eskimo aussehen lässt, kommt meine Nachbarin von oben die Treppe herunter. Sie strahlt mich an, ich lächele zurück, sie erzählt irgendwas. Bei der ersten Atempause presche ich vor: „Sagen Sie mal, wissen Sie eigentlich, wer hier im Haus so laut singt?“, frage ich mit Unschuldsmiene. „Oh“, kommt es leise zurück, der Kopf senkt sich und kugelrunde Augen starren mich aus Brusthöhe an. „Ich glaube, das bin ich.“ „Das ist aber wirklich sehr laut,“ sage ich, „und auch schon so früh.“ Ja, beichtet sie mir, sie trällere den ganzen Tag. Mit Kopfhörern auf den Ohren. „Vielleicht singen sie lieber mal ohne Kopfhörer“, rate ich ihr. „Dann hören sie sich selbst besser und merken, wenn es zu laut wird.“
Zufrieden mit mir selbst ziehe ich mir abends meinen Schlafanzug an. Auf einmal – zack – tönt es los. „Tsu Tsu badadumbadadum ‚Kannst du mich hööööören’?’“ JA ICH KANN! Wenigstens hat sie auf mich gehört und lässt nun auch die Musik zu ihrem Gejaule laufen. Schief klingt es allerdings immer noch. Am nächsten Tag treffe ich sie wieder im Flur. Gerade will ich ihr eine Standpauke halten, da jammert sie los. Ihr Mann wolle sich von ihr scheiden lassen, erzählt sie mir mit tränengefüllten Hundeaugen. „Wen wundert’s!“, denke ich, höre aber nur verständnisvoll nickend zu. Nun müsse sie sich etwas einfallen lassen, sie habe ja keine Arbeit. Vielleicht könne ich ihr helfen. Sie wolle sich auch selbstständig machen. „Womit denn?“, frage ich. „Ich weiß noch nicht genau“, antwortet sie, „vielleicht mit Singen.“
Mittwoch, August 12, 2009
Sail away!

***Edit***
Auf Wunsch eines einzelnen Christians noch ein paar mehr Worte zur Sail, um meinen üblichen Standard zu erfüllen (ich glaube etwa 5000 Zeichen).
Nun denn, wenn man in einem größeren Team arbeitet, lernt man ja viel über den Menschen an sich. Über den jungen Menschen und den alten, und das soziale Miteinander. Probleme des Alters sind wohl Starrsinn, Selbstüberschätzung und Unflexibilität. Da sind sie wieder - meine drei Probleme. In den letzten Jahren war ein ehemaliger Uni-Dozent mit im Presseteam, der für die Schlussredaktion verantwortlich war. Germanistik, wie man sich denken kann. Nun sollte er auch in diesem Jahr - eher wollte als sollte - seines Amtes walten. Gleich am ersten Tag waren die 5 zu kontrollierenden Seiten mit roten Anmerkungen, Strichen, Pfeilen und Sternchen übersäht. "Hier sollte man umstellen, so kann man das doch nicht schreiben, hier noch ein bisschen weg, das noch ein wenig kürzer" - ic am mir vor wie beim Friseur. Das meiste habe ich angenommen, wenige Änderungen verweigert. Über jede Nicht-Änderung hat er Tage - und das in Lautstärke eines Schifftyphons - diskutiert. Das war anstrengend und langwierig. Ich entschied mich daher zu einem wagemutigen Schritt.
Ich kleines, naseweißes, grün-hinter-den-Ohren-seiendes, blutjunges Mädchen fragte ihn, ob es für ihn in Ordnung ginge, wenn mein Kollege und ich alleine läsen - um Zeit zu sparen. "Geht klar, kein Problem", sagte er.
Die Zettel die er mir Stunden später auf den Tisch knallt sind noch warm vom Kopierer. "So geht das nicht", brüllt er, "es muss gründlicher Korrektur gelesen werden." Sein kleiner Kopf, der sich mit meinem auf einer Höhe befindet, schwillt rot an. "Was für Fehler sind denn drin?", frage ich. "Da, ein Buchstabendreher." "Oh ja", sage ich. "Das ist wirklich doof." "Und hier, dieser Satz. So geht das gar nicht. Da steht das Oppussum vor dem Nobile, dabei ist das doch ein Florentiner Wiener Schwiner." "Find ich nicht so schlimm." Sage ich. Ihm tritt der Schweiß auf die Stirn. "Wir tragen hier eine Verantwortung", brüllt er." Ich erkläre ihm, dass dat Ding nur 150 Mal gedruckt wurde, unsere Verantwortung der deutschen Sprache gegenüber sich also in Grenzen hält. Er aber redet weiter, gestikuliert, schwitzt, wird eine wahre Groteske seiner selbst. Da drehe ich mich um, und arbeite weiter. Und er explodiert. Kleine menschliche Hirnfetzen, gefüllt mit Buchstabensalat, bedecken meine Tastatur.
So ein Ende hättet ihr wohl gerne. Nein, des lieben Friedens willen und als Jüngere und damit auch Flexiblere, Einsichtigere mit einer gesunden Selbsteinschätzung habe ich ihn in Amt und Würden zurückgeholt. Bevor das neue Ding in Druck ging, habe ich noch einmal rübergeschaut. Es strotzte nur so vor Fehler. Gleich auf der ersten Seite fehlte ein Wort, und ein Satz wurde auf zwei Weisen zu Ende geführt. In Gedanken stand ich auf, ging zu ihm und knallte ihm die Blätter auf den Tisch. "SO GEHT DAS NICHT!" Doch ich habe still korrigiert, meine Kollegin gebeten, die Korrekturen fix einzuarbeiten, und habe innerlich triumphiert. Es lebe die Jugend!
(Ich hoffe, der Blog kann wirklich nicht gegoogelt werden! ;-)
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Die Hanse Sail ist geschafft! Leute, ich kann euch sagen, ich bin echt froh! Es ging alles glatt, das Wetter war super, die Journalisten zufrieden, der Chef auch. Unsere neuen Projekte liefen gut: das Presse-Frühstück, aktuelle und schnelle Pressemitteilungen sowie Internetaktualisierungen. Und auch die alten Sachen liefen: Presseboot, Akkreditierungen, Texte schreiben usw. Rückblickend war die Vorbereitungszeit fast stressiger als die Sail-Woche selbst. Wahrscheinlich dank der guten Vorbereitung. Am Montag war ich aber so fertig, dass ich um 16.00 Uhr hätte einschlafen können. Hab mich aber mit Mühe bis 21.30 Uhr wachgehalten.
Einzig ein Schatten lag über der Veranstaltung: Freitag-Nacht ist ein Mann in die Warnow gefallen und erst am nächsten Morgen tot geborgen worden. Rein beruflich kann ich sagen: Zum Glück wurde es in den Medien nicht so aufgebauscht, wie ich befürchtet hatte. Generell ist es natürlich einfach ein furchtbares Unglück.
Und zum Schluss der Werbeblock: Für ein paar Hanse Sail Impressionen schaut doch mal auf unsere Internetseite www.hansesail.com
Dienstag, Juni 02, 2009
Donnerstag, Februar 12, 2009
Nachmacher!
Kino-Filme (Ich habe 31 Filme gesehen*)
1. My Blueberry Nights
2. I'm not there
3. Dark Knight
4. Bruegge sehen ... und sterben
5. Hellboy
Bücher (Ich habe 21 Romane gelesen*)
1. Gwendoline Riley - Cold Water
2. Cormac McCarthy - Die Straße
3. Daniel Kehlmann - Beerholms Vorstellung
4. Carlos Ruiz Zafón - Der Schatten des Windes
5. Sam Savage - Firmin. Ein Rattenleben
CDs (Fast alles alte Kamellen ;-))
1. Ayo - Joyful
2. Cat Power - The Greatest
3. Norah Jones - Come away with me
4. A Fine Frenzy- One Cell in the Sea
5. The Beatles - Rubber Soul
Bedanken möchte ich mich noch bei Susi - neues Design, neuer Schwung. Und jetzt nehm ich diesen Schwung schreibe wirklich Artikel ... A.
* Alle Angaben sind ohne Gewähr
Mittwoch, Juni 25, 2008
Ein Leben in Bildern
Zunächst aber einmal wieder eine Impression aus Rostock. Hier gibt es jetzt nämlich Exklusive Eigentumswohnungen mit Warnowblick zu kaufen. Fingierter Bombenalarm inklusive. Die ersten Interessenten sind schon bei der Wohnungsbesichtigung:

Von Rostock aus führte es mich in die Hauptstadt, wo ich mich mit drei verrückten Damen in eine Karaoke-Zelle einsperren ließ. Wir sind aber heile wieder raus gekommen.
Ein Artikel über den Haustierpark Lelkendorf ließ mich ins Landesinnere reisen (ich meine hier das Bundesland). Dort gibt es Gänse ...
... entzückende Ziegen (oder Schafe. Gemein, dass die auch Hörner haben dürfen) ...
... und die pure ländliche Idylle:
Dann fuhr ich zum Zelten an den Plauer See. Das war schön!!
Als nächstes suchte ich mir die Nationalparks als Thema. An erster Stelle in meiner kleinen Reihe stand die Vorpommersche Boddenlandschaft. Meine Recherchen führten mich ans Ende der Welt:
Es lässt sich also leben am Ende der Welt. Und so sieht es da aus:
(Es ist übrigens der Zingst, im Hintergrund sieht man den Dornbusch auf Hiddensee)
Weiter führten mich meine Wege nach Rom. Die Sagen- und Märchenstraße durch MV wurde eröffnet.Rom liegt bei Parchim, also in Südwestmecklenburg. Dort gibt es sogar Bären:
Nun habe ich die letzten Wochen aufgearbeitet. Nach diesem Post muss Susi den Blog löschen, denn ich habe den gesamten Speicherplatz aufgebraucht! Einen schönen Sommer wünsch ich euch! A.
PS:
"Gott schütze euch vor Wellen und Wind, und vor Gesellen, die langweilig sind!"
Samstag, April 12, 2008
Wer steht denn nicht auf St. Petri!
Zeichen der Hoffnung
Mit dem Alten Markt und St.Petri,wird auf die erste rein christliche Besiedelung,1218 urkundlich hingewiesen. Die dreischiffige Gotische Basilika,mit dem Turmmassiv,erhielt wohl erst anfang des 15.Jahrhunderts die Gotische Turmspitze. Den Winden über Jahrhunderten ausgesetzt,blieb es nicht aus,daßer beschädigt wurde.Von Blitzschlägen getroffen er teilweise abbrannte.
Die Rostocker so balt als möglich ihn wieder aufbauen ließen. Prägte, die Turmspitze,doch mit , die Silhouette von Rostock und war auch in den Seekarten als einer derLLandmarken an der Ostseeküste mit 125m ü.o eingetragen. In der Nacht des 24.o4.1942,von Englischen Luftangriffen getroffen,wobei die Löschgruppe tödlich verletzt wurde,brannte Petri gänzlich aus und die Turmspitze ab.-Die teilweise Nutzbarmachung der Kirche,wurde 1944 begonnen und unter unsagbaren Opfern auch von der Gemeinde bis zur Einweihung des Mittelschiffs 1967 unter der Führung von Herrn Pastor Nath 1967. Die Behaubung des Turmmaßifs,war in der Zeit der ddr Führung, unter fadenscheinlichen Gründen untersagt.
Mit der Wiedervereinigung Deutschlands gab es kein halten mehr, den lang gehegten Wunsch in die Tat umsetzen zu lassen, nämlich,daß,Wahrzeichen Rostocks, die Gotische Turmspitze aufbauen zu lassen. Spenden und Opferfreudigkeit,ließen mit der gewonnenen Freiheit,die Turmspitze am 13.Nov. 1994 baulich abschließen. Finanziel,trotz großzügiger Unterstützung seitens Bund,Land,Stadt und Deutscher Denkmalschutz,in wohl drei Jahren es geschafft sein wird. Helfen auch Sie, bei diesem ergeitziegen Projekt,der Hoffnung,auch gensnntmit.Was soll ich sagen, ich steh auf St. Petri!
Kurz darauf fand sich in meinem E-Mail-Fach eine Nachricht mit folgendem Betreff:
Hello! Du hast neue Postkarte "Ich suchte so lange dir angekommen" von des Fremden. Sie kommen sie hier bekommen.
Ganz unten in der E-Mail stand: "Befreien Virtuelle Karten". Befreien bitte auch mich! Von die Lasten des schlechten Deutsch. A.
Montag, April 07, 2008
Lebet sie noch oder stürbet sie schon?
Mein letzter richtiger Eintrag war (ojottojott) aus Leipzig im Oktober. Seitdem arbeite ich ja als freie Lektorin und Journalistin, wobei ersteres zurecht erstgenannt ist. Angefangen habe ich mit einem Honorar unter dem Existenzminimum, mittlerweile habe ich auch die Vermarktung der Bücher übernommen, seitdem ... ja, kriege ich etwas mehr. Pünktlich zur Buchmesse sind drei von mir lektorierte Bücher erschienen (da ich mich hier in erlauchten Kreisen befinde, wisst ihr sicherlich im Vergleich zu 90% der Bevölkerung, dass Lektorieren NICHT NUR Korrektur lesen bedeutet!). Bei Interesse dürft ihr sie euch gerne ansehen: www.klatschmohn.de/neuerscheinungen.
Die Seite wird inhaltlich übrigens auch von mir versorgt - immer her mit der Kritik (aber bitte nett formuliert). Als treue Blogleser werdet ihr feststellen, dass auch die "Mecklenburger Schlachtefibel", die mich zu Praktikumszeiten leicht aus der Fassung gebracht hat, erschienen ist. Und ich kann euch sagen, Formulierungen wie "ausbluten lassen" oder "die Zunge schälen" jucken mich Fleischverschmäher überhaupt nicht mehr.Im Rahmen meiner erweiterten Kompetenzen war ich auch mit auf der Leipziger Buchmesse anwesend, was anstrengend aber sehr interessant war.
Mein persönliches Highlight war unsere Lesung im Panometer, die ich so erfolgreich beworben hatte, dass der Platz für die Menschenmassen gar nicht ausreichte. Pfarrer Puttkammer las seine erotischen Geschichten also vor großem Publikum, das zudem auch noch begeistert war, ebenso wie ich.
Mein persönlicher Tiefpunkt war es, das erbärmliche Schicksal des Christian Anders zu verfolgen, der mich schon vom ersten Tag an von Abermillionen Plakaten aus debil angrinste. Er hatte nun auch noch den Stand direkt in unserer Nähe, ein 2 Quadratmeter großes Kabuff - wirklich, ein Viertel von unserem Stand und wir sind nicht Piper! Dort hing er den lieben langen Tag neben einem überdimensionierten Antlitz seiner selbst, soff "Champagner" - eine Flasche davon stand vorne, hinten füllte er immer heimlich Rotkäppchen nach - und versuchte krampfhaft, Autogrammkarten loszuwerden. Neben ihm seine aufgedonnerte Verlegerin, die ihn um einiges überragte und so stark geschminkt war, dass das Make-up begann, abzubröseln. Manchmal torkelten sie auch Arm in Arm den Gang entlang. Und so geht das jedes Jahr, hat mir mein Kollege erzählt.
Zurück zur anderen erbärmlichen Geschichte - meiner. ;-) Nebenbei journaliste ich ja auch noch ein wenig, besonders für den Kulturkalender. Ich bin nun offiziell die Rezensentin, habe eine eigene Rubrik, in der ich über Bücher, Filme und CDs herziehen darf. Zumindest könnte ich das, wenn ich nicht die Auflage hätte, nur Empfehlungen zu schreiben. Zusätzlich schreibe ich jeden Artikel, den ich sonst noch so kriege. Für den Mai ist wieder ein Porträt dran - wir lesen uns im nächsten Blog-Eintrag! Hin und wieder bringe ich auch mal etwas in anderen kleinen Zeitschriften unter, zudem werde ich während der Hanse Sail im dortigen Pressebüro arbeiten. Dieses hat meine Chefin dann auch dazu bewogen, den Satz zu äußern "wir müssen mal über mehr Geld sprechen" - jeder kennt ja die Vorteile einer Monopol-Stellung. Mir solls recht sein - her mit den Moneten!
Ansonsten mache ich auch noch andere lustige Sachen, so wie letztes Wochenende einen Kurs zu 3-D-Animationen. Zwar kann ich noch nicht animieren und nicht texturieren, aber ich habe einen GRAUenvolle Obstkorb geschaffen und bin sehr stolz darauf!

Soweit ein paar Schwänkerl aus meinem Leben. Wir sehen uns wieder, wenn es heißt: Was hat Annika die letzten 6 Monate so getrieben. Ach nein, zuerst beschwere ich mich ja darüber, dass ich keine Porträts schreiben kann! A.
Mittwoch, Februar 13, 2008
Sonntag, Oktober 21, 2007
Drei kleine Pfadtrinker
Der 22. September war DER Tag, derjenige, den wir nach wochenlanger Mühe als das Datum auserkoren hatten, an dem wenigsten ein Teil unserer Riege Zeit füreinander hat. Der wunderbare Plan entstand, uns einen Pfad anhand von Kneipen mitten durch das pulsierende Herz Berlins zu trinken. Freitag Abend wollten noch sechs tapfere Jägermeister den Kampf mit dem Alkohol aufnehmen. Am Samstagmorgen musste dann Susi wegen Krankheit absagen, daraufhin sprang Sören auch ab, und am Ende fand auch Bennet nicht seinen Weg zu uns. Und da waren’s nur noch drei, was sie aber auch nicht davon abhielt, ihren Plan in die Tat umzusetzen.
Wir starteten Pappelalle Ecke Schönhäuser Allee (ich hoffe, dass es richtig). Nach ca. 50 Metern stolperten wir auch gleich in die erste Kneipe. Diese hatte entweder einen komischen Namen, gar keinen oder sie hieß einfach nur Café Kneipe. Ihr dürft es euch aussuchen. Drinnen sah es aus wie in Omas Puppenstube: Alte grüne Sofas, Blümchenstoffe, Schirmlampen, kitschige Tapeten – ich fand es urst gemütlich. Stefan und Yvonne eröffneten den Abend mit einem Dunkelbier, das einen der drei möglichen Namen des Etablissements trug. Ich glaube, die Meinungen über den Geschmack gingen auseinander. Ich trank ein Gemisch aus Wein, Prosecco und Zitronensaft, was sich als sehr lecker und erfrischend herausstellte.
Weitere 50 Meter weiter stießen wir auf die nächste Kneipe. Sie war irgendwie cool und szenig, mit Stühlen, die eindeutig nach dem optischen Erscheinen und nicht nach Sitzkomfort ausgewählt wurden. Da wir das alles eher suboptimal fanden, entschieden wir uns, nur einen kurzen B’52 zu kippen und auf die andere Straßenseite in die nächste Kneipe zu wechseln.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Das entspricht Kneipe Nummer drei aber besser als man denkt. Das Licht war dunkel (kann Licht dunkel sein?), die Leute waren dunkel und die Musik auch. Alles in allem eine ansprechende Lokalität. Stefan blieb in dieser Kneipe beim Bier, Yvonne wechselte, wenn ich mich recht erinnere, mit mir zum Wein.
Mal wieder waren es nur ein paar Schritte, bis wir zur nächsten Lokalität gelangten. Diesmal ließ das Schild „Happy Hour für alle Cocktails“ unsere Herzen im Gleichtakt höher schlagen. Wir wählten also alle unsere Cocktails, in Hinblick auf die genaue Wahl bin ich wirklich überfragt, und schlürften sie. Mit Sicherheit kann ich sagen, dass sie alle sehr lecker waren. Meiner im besonderen, und er machte mich auch besonders betrunken.
Zwei Leute gingen und eine stolperte also aus Kneipe Nummer vier in die nächste Cocktailbar hinein. Hier auch mal ein Foto als Beweis, dass ich auch mit war. Yvonne und ich verdrückten einen Teller Käse mit Nachos – köstlich – und wir alle schlürften einen weiteren Cocktail, der mich vollständig aus den Latschen kippen ließ! Eigentlich wollte ich die Tour an dieser Stelle beenden, allerdings überredeten mich meine beiden Mitpfadtrinker, noch eine Kneipe weiter zu ziehen – zum Glück!
Unsere Endstation war ein Kuriosum vom Feinsten! Ein Kollektivbetrieb, der rassistisches und hetero(!)- diskriminierendes Verhalten untersagte, und auf dessen Klos man Aufrufe fand, Nazi-Läden auszuräuchern! Die Einrichtung war interessant, die Leute auch, genau wie die Speisekarte, die Plakate und Flyer – eigentlich alles! Ich schlürfte zu diesen ganzen neuen linkesten Eindrücken mein exportiertes Cidre, Stefan und Yvonne tranken auch irgendwas. Ich erinnere mich dunkel an Whisky-Cola??
Geschätzte 400 Meter Luftlinie, diverse Stunden, Euros und Kneipen später machten wir uns auf den Heimweg, froh, endlich einmal einen kleinen Teil Berlins genauestens erforscht zu haben!
Den Sonntag darauf belebten wir die alten WG-Zeiten wieder, frühstückten zusammen, versuchten – vergebens – zweimal den einen Ring zu vernichten, gingen im Volkspark Friedrichshain spazieren und schleckten ein Eis. Nach leckeren Kartoffeln mit Quark musste ich mich dann leider auf den Heimweg machen. Ich hoffe, wir wiederholen das bald einmal, vielleicht auch mit mehr Pfadtrinkern (obwohl ihr zwei Süßen mir völlig ausgereicht habt!)
Hier auch schon einmal ein Aufruf: Am 22. November öffnet der Rostocker Weihnachtsmarkt wieder seine Pforten! Ich würde mich sehr freuen, wenn wir es schaffen, uns an einem Wochenende zum traditionellen Glühweinsaufen in der Hansestadt zu treffen!!! A.
Donnerstag, Oktober 18, 2007
Werbung in eigener Sache!
Sonntag, Oktober 07, 2007
Guten Tag, meine Damen und Herren, es begrüßt Sie Ihre Fernsehtussi
Es war ein trüber Morgen, an dem Sören und ich uns aufmachten, meine vorübergehende Hastheimat Leipzig anzusteuern. Später als geplant, aber doch noch pünktlich erreichten wir mein Domizil, in welchem ich bei einer Nachbarin im Erdgeschoss meinen Wohnungsschlüssel abholen sollte. Es kam uns auch prompt eine junge Frau entgegen, leider war sie nicht die von mir gesuchte Romy, und teilte mir auch noch mit, Romy sei „mal kurz weggegangen“. Wir setzten uns also ins Treppenhaus und warteten, und tatsächlich: Romy kam. Ein großes Glück, wie ich bald bemerkte, denn sie hatte unsere Verabredung, die wir 5 Tage zuvor gemacht hatten, schon ganz vergessen.
Wir gingen in meine Wohnung, inspizierten sie und packten sie in unserem sorgfältig geordneten Kopfschrank in die Schublade „gemütlich“. Nur die Zimmertemperatur ließ zu wünschen übrig, sie unterbot sie Außentemperatur um einige Grad Celcius. Unser Versuch, die Gasheizung anzustellen scheiterte genauso, wie der Versuch, meinen Computer in die weite Welt des Internet zu bringen. Doch mit viel Geduld und einigen Tricks gelang uns schließlich beides, das Internet eher, die Heizung später. Abends haben wir uns mit Freund Gebi getroffen, der uns ein wenig durch die Stadt geführt hat. Dann gingen wir ins Kino zu Chuck und Larry (heißt der so), der amüsant war, mehr aber auch nicht. Hatte aber gute Stellen. Danach kochten wir bei Gebi noch lecker Nudeln.
Am Montag war mein erster Praktikumstag, und er war furchtbar. Mein Betreuer kam 2 Stunden zu spät, meine Versuche, trotzdem eine Aufgabe zu kriegen, scheiterten. Ich kam mir unglaublich fehl am Platz vor, die Leute wirkten arrogant und ignorierten mich. Abends wieder zuhause angekommen war ich echt fertig mit den Nerven und verfluchte die kommenden vier Wochen.
Doch dann wendete sich das Blatt. Am Dienstag machte ich in meinem Kopf Tabula Rasa und betrat eine völlig neue Welt. Die Leute waren nett zu mir, ich bekam Aufgaben, die sogar interessant sind, und fing an, mich in dem Laden richtig wohl zufühlen. Meine Hauptaufgabe liegt im Bereich des Kulturkalenders (:-D), der am Ende jeder Folge von Artour die Highlights der nächsten Woche vorstellt. Ich bin bei den Drehs dabei, beim Schnitt, bei der Stimmaufnahme und soll in der letzten Woche sogar einen solchen 40 Sekunden Beitrag selber drehen. Zudem habe ich eine Extraaufgabe, nämlich für einen Artour-Beitrag zu recherchieren. Hier versuche ich, alte DDR-Akten ausfindig zu machen, herauszufinden, ob das Objekt unser Begierde noch/überhaupt existiert, wenn ja, wo, und ob es sich lohnt, es zu suchen (Ergebnis: Wenn es existierte, wurde es sicher vernichtet, und 100 Meter Material am laufenden Band zu sichten ist Zeitverschwendung). Zudem treibe ich alte Filmaufnahmen auf, spreche mit Kunsthistorikern und Fanatikern und versuche der Wahrheit auf die Pelle zu rücken. Dies stellt sich allerdings recht schwierig da ... Bis Donnerstag werden wir Wahrheit und Fiktion wohl nicht ins Kröpfchen und ist Töpfchen sortieren können, sondern erzählen die Geschichte so, wie die Zeitzeugen sie berichten. Bei den Interviews mit diesen werde ich auch zugegen sein.
Am Donnerstag war ich den ganzen Tag bei den Vorbereitungen und der Ausstrahlung von Artour dabei, die Sendung läuft live um 22.00 Uhr, wobei ich in der Regie war. Vorher war der Schnitt, die Abnahme der Beiträge, die Stimmaufnahme, das Verfassen der Moderationstexte und die Stellprobe.
Alles in allem ist das Praktikum wirklich interessant und spannend. Zu bemerken ist, dass sich Fernsehleute tatsächlich zwanghaft duzen und sich anziehen, als seien sie um einiges jünger als sie sind. Bei Frauen sind interessanter Weise Hosen anscheinend Tabu. Es werden nur Kleider oder Röcke getragen, und wenn mal eine Hose, dann aber bitte nur als Beinkleid zum Rock. Der Höhepunkt für mich war eine junge Autorin, die unter ihrem schwarzen Cordrock eine grau-melierte (schön, gelle Nadine) Jogginghose trug, die völlig ausgebeult war und in überdimensionalen schwarzen Stiefeln steckte. Ich könnte das jetzt noch kommentieren, aber ich lasse es.
Entgegen meiner Erwartung werde ich gar nicht mit sächsischem Dialekt vollgepumpt. In der Redaktion sind fast alle Berliner. Die einzige mit eindeutig südlicherem Dialekt kommt allerdings aus Thüringen – die Ohren klingeln mir also noch nicht!
In der Zeit, in der ich nicht beim MDR bin, arbeite ich für den Klatschmohn Verlag. Bin gerade dabei zwei Bücher zu lektorieren, das erste habe ich bald durch (das Schlachtebuch). Gestern habe ich auch endlich das Buch bekommen, das ich rezensiere, da sitze ich jetzt auch noch nebenbei dran. Zudem mache ich mir Gedanken über spätere Artikel und plane gedanklich schon etwas meine Zeit im November.
Und jetzt, wo sich alles vor mir aufhäuft, schreibe ich erst mal in den Blog. Man muss halt Prioritäten setzen, und ihr, meine Mädels, kommt da recht weit oben! Ich hoffe euch geht es allen gut! Liebe Grüße aus Leipzsch! A.
Dienstag, September 04, 2007
Das ist doch zum Heulen!
Sonntag, August 12, 2007
Die hohe Kunst des Journalismus
Um eine gute Journalistin zu sein, muss man viele verschiedene Fertigkeiten beherrschen. Hilfreich ist es natürlich, eine gute Schreibe zu haben, außerdem muss man aber auch gut mit Menschen umgehen können. Um sie zum Erzählen zu bringen und später somit mitreißend über sie schreiben zu können, braucht man eine natürliche Neugierde und das Geschick, sich in sie einzufühlen – ihren Rhythmus und ihre Denkart zu übernehmen. Zudem sind natürlich noch Grundfertigkeiten wichtig, die im Arbeitsleben generell eine Rolle spielen: Konzentration, Organisiertheit, Gründlichkeit und Souveränität.
Mein Praktikum beim Kulturkalender brachte mir diese Woche die Möglichkeit, meine Fähigkeiten als Journalistin einer harten Probe zu unterziehen. Für die nächste Ausgabe hatte ich einen Artikel in der Rubrik „Porträt“ ergattert, und der Mensch, dessen Seelenleben ich auf einer gedruckten DIN A 4 Seite präsentieren wollte, war die Malerin Uta Mohns, wohnhaft auf einem Hof irgendwo im Niemandsland zwischen Tarnow und Boitin.
Die Vorbereitungen auf unseren Termin am Freitag um 15.00 Uhr liefen standardgemäß, ich recherchierte ihren Lebenslauf, bereitete eine Liste mit interessanten Fragen vor und ließ mir von einer einschlägigen Internetseite den kürzesten Weg nach Tarnow berechnen. Aufgrund meiner Gründlichkeit überprüfte ich das Ergebnis dieser Berechnungen noch einmal auf der Karte und stellte fest, dass er dieser angeblich kürzeste Weg wie ein ziemlicher Umweg wirkte. Daraufhin setzte ich mich in letzter Minute noch einmal an den Rechner und ließ die Route neu berechnen. Und siehe da, der Computer spuckte eine viel einfachere und schnellere Route aus, 50 Minuten sollte ich jetzt nur noch brauchen, nicht mehr knapp über eine Stunde. Mensch, das freute mich aber! Fröhlich setzte ich mich gute 80 Minuten vor unserem Termin in meine rote Zora, fütterte sie mit etwas Treibstoff, und schon machten wir uns voll freudiger Erwartung auf zu meinem Interview der Spitzenklasse. Der Weg führte über die Autobahn und die Landstraße, die großzügig mit Baustellenampeln versehen war. Trotzdem erreichte ich nach einer Stunde Teterow, es blieben also noch 15 Minuten, um Boitin zu finden. Aber wo war dieses blöde Boitin. Die Stadt war überraschend groß, kein Schild ließ sich finden, kein Straßenname passte zu den Beschreibungen, mit steigender Panik folgte ich der Hauptstraße und überlegte fieberhaft, was zu tun war. Da zuckelte ein altes, gebücktes Weibchen mit einem Gehwagen an mir vorüber und ich lenkte mein Gefährt an die Seite, um mich zu Fuß dem ihrigen zu nähern. Meine Frage, wie ich denn bitte in das kleine Örtchen Boitin gelänge, ließ ihr schrumpeliges Gesichtchen leider nicht mit wissender Weisheit aufleuchten, wie ich es mir erhofft hatte. Stattdessen zeigte es Verblüffung, Boitin – davon habe sie ja noch nie gehört. Nicht aufgebend steuerte ich den Parkplatz einer großen Supermarktkette an, der – wie ich gehofft hatte – an einem Freitagnachmittag voll von Menschen war, die mit Schweißperlen auf der Stirn die mit Ellbogeneinsatz und Stehvermögen an den Kassen eroberten Jahresvorräte in ihre viel zu kleinen Kofferräume wuchteten. Aber auch hier rief meine Frage nur Erstaunen hervor. Karten wurden gezückt, und jeder Vorrübergehende zu Rate gezogen, in einem waren sich alle einig: Boitin hatten sie noch nie gehört und in Teterow gebe es weder eine Boitiner Straße, noch den von mir angestrebten Ausbau Süd. Das kleine Wörtchen Teterow drang durch meine Gehörgänge in mein Hirn und schien zwischen meinem linken und meinem rechten Ohr immer hin- und herzuprallen. Teterow, Teterow... und wie auf wundersame Weise fing es an, sich zu verwandeln – Teterow, Tenow, Tarnow... TARNOW! Der Schweiß stand auf einmal auch mir auf der Stirn. Unter murmelnden Worten des Dankes kroch ich um mindestens einen Meter kleiner in mein Auto und zückte meine Karte. Nach kurzem Suchen fand ich den Ort meiner Begehr – Tarnow – und direkt daneben prankte in kleinen, höhnischen Buchstaben das Wort Boitin.

Ach du meine Nase! Schnell zückte ich mein Handy und beichtete Uta Mohns mein Problem. In ihrer Stimme lag leider wenig Mitleid, auch Humor konnte ich nicht wirklich erkennen. Es war eher so etwas wie – ja – Entsetzen. Sie habe nur bis 17.00 Uhr Zeit, und bis Tarnow sei es noch weit. Ich kündigte an, das Unmögliche möglich zu machen, nämlich in einer halben Stunde bei ihr zu sein, und drückte aufs Gas. Jede Baustellenampel, auf die ich zufuhr, löschte wie auf Befehl ihr grünes Licht und ich sah rot. Zwei Blitzer – mit hoffentlich rechtzeitigen Vollbremsen begegnend – und zwei weitere, zum Glück schnell korrigierte, Verfahrer später, erreichte ich um 16.00 Uhr den Mohnshof. Frau Mohns begrüßte mich mit einem milden Lächeln und führte mich in ihre Atelier. Auf meiner inneren Liste strich ich mit einem dicken, fetten, schwarzen Edding die Worte „Souveränität“ und „Organisiertheit“ durch. Pflichtgemäß sah ich mir mit geheucheltem Interesse ihre Bilder an – bunte Landschaften, Stillleben und Porträts, alles ganz nett, aber um es ehrlich zu sagen: Meine Kunstinteresse ist zwar vorhanden, mein Kunstverständnis trägt aber noch nicht einmal Kinderschuhe. Auch Frau Mohns schien das zu bemerken, stellte Tisch und Stühle auf und servierte mir grünen Tee und Kirschkuchen. Die Fragestunde begann. Ganz professionell stellte ich ihr eine Reihe offene Fragen und stellte überrascht fest, wie herrlich nichtssagend man diese doch beantworten kann. Fragte ich sie zum Beispiel, wie lange sie schon an der Kunstschule unterrichte, antwortete sie: „Och, schon lange. Dreizehn oder vierzehn Jahre.“ – „Und wie ist es dazu gekommen?“ – „Das weiß ich nicht mehr so genau, irgendwer hat mich gefragt, und ich habe ja gesagt.“ Wie interessant! Wieso ist vor mir noch keiner auf die Idee gekommen, diese Frau zu porträtieren??? So oder ähnlich ging es eine ganze Weile. Ich begann, nach ihren Antworten eine Weile zu warten, vielleicht sind meine Fragen ja so tiefschürfend, dass sie über die Antworten erst einmal stillschweigend meditieren muss. Und siehe da! Fühlte ich mich nach ein Paar Sekunden Pause dann doch veranlasst, eine neue Frage zu stellen, fing sie auch an zu sprechen. Du musst warten, sagte ich mir, und setzte diesen Vorsatz nach der nächsten kurzen Antwort um. Diesmal sagte sie nach 5 Sekunden nichts, auch nach 10 noch nichts, und nach 15 fragte sie mich, wie ich eigentlich zum Schreiben gekommen sei. Mist! Nach weiteren gescheiterten Versuchen strich ich „den Rhythmus des anderen übernehmen“ von meiner imaginären Liste. Auf meine Frage, ob sie nicht gerne über ihr Leben spreche, erhielt ich endlich eine brauchbare Antwort: Sie sei kein Mensch der Worte, sie hätte es lieber, ich würde ihre Bilder auf mich wirken lassen. Meinem Einwurf, ich wolle ja auch über sie und ihr Leben schreiben entgegnete sie, sie lebe ja in ihrer Bildern. Also wieder Kunstschau. Sehen sie hier mit Öl, und da mit Acryl, das selbe Motiv zu einer anderen Tageszeit... AHA. Ich strich „sich Einfühlen“, „Denkart übernehmen“ und „zum Erzählen bringen“. Und dann war es 5, und ich ging, und hatte nichts, außer einer Liste unbeantworteter Frage, und einer Liste gestrichener Fähigkeiten.
Jetzt sitze ich auf dem Balkon, neben mir mein Buch mit meinen Notizen und den Ergebnissen meiner Nachbereitung. Ich starre meine Palme an und versuche mich in dieses naturverbundene, ruhige, ausgeglichene und wortlose Wesen einzufühlen und es in mir und auf dem Papier doch noch zum Erzählen zu bringen. Ob es mir gelingt? A.Samstag, August 11, 2007
Was hat Annika die letzten Wochen eigentlich so getrieben???
"Hoffmanns Erzählungen" auf der Seebühne in Stralsund mit Susi:
"Ein Sommernachtstraum" auf der Bühne im Museumshafen Greifswald mit Sören:
"Vineta - Die Findlinge" in Zinnowitz auf Usedom mit Sören:
Störtebeker-Festspiele "Verraten und Verkauft" in Ralswiek auf Rügen mit Sören:
Hanse Sail im Rostocker Stadthafen mit - ratet mal - Sören:
Dienstag, Juli 24, 2007
Heute im Supermarkt...
Kind: „Ist das Oma sein Schirm?“
Opa: „Das heißt Oma ihrs, nicht Oma seins.“
Gut, dass man Großeltern hat, wie würde unsere schöne deutsche Sprache sonst verkümmern!
Neuigkeiten:
Vor der Wohnungstür, die sich neben meiner befindet, liegt jetzt ein Fußmatte. Teures Ding, dick und flauschig. An der Klingel stehen 2 Namen – da fühl ich mich echt dekadent, mit meinen 3 Zimmern alleine! Aber so’ne teure Fußmatte haben! Oh brandaktuell, ich hing gerade noch kabelkaesk am Spion: Sie ziehen ein! Zwei muskulöse junge Männer Mitte 20 und zwei dicke Männer um die 40 (einer mit Fokuhila und veschwitztem lila T-Shirt) haben Sachen geschleppt, eine dicke Frau in eben diesem Alter wartete oben. Bei meinem Glück ziehen die Dicken ein! ;-)
*Update*: Strike! Der Süßeste von allen ist in Besitz des Wohnungsschlüssels!
Da Susi auch schon kein Bild hatte, poste ich eins, was herzlich wenig mit meinem Geschriebsel zu tun hat, aber definitiv veröffentlichungswürdig ist!
Sonntag, Juli 08, 2007
Von Dingen, die man machen, aber auch lassen kann
Letzte Woche kam dieser berühmte Blick in den Spiegel, den wahrscheinlich jede Frau kennt: „Nee, es geht nicht mehr! Du musst was mit deinen Haaren machen!“ In meinem Fall betraf die erwähnte Unmöglichkeit meine Haarfarbe, die den Namen Farbe eigentlich nicht mehr verdient hatte. Da aber mein Praktikanten-Dasein mich nur gerade so vor dem Hungertod bewahrt, ist ein Friseur-Besuch momentan definitiv nicht drin. Liebe Männer (falls ein Mann nach DEM ersten Satz bis hierin gekommen ist), es ist unglaublich aber wahr: Für Frauen kostet ein Friseurbesuch mit Schneiden und Färben in der Regel ab 50 Euro aufwärts. Daher entschied ich mich, beim Drogerie-Markt meines Vertrauens ein Päckchen „Santé Pflanzenfarbe – Natürliches Rot“ zu erwerben. Zuhause angekommen studierte ich zunächst die Packungsanleitung, die für mich gewöhnten Chemie-Selbstfärber doch leicht merkwürdig anmutete. Ich bekam dort zu lesen, ich solle das beigefügte Pulver mit kochendem Wasser zu einem cremigen Brei vermischen, diesen auf die Haare auftragen und 1-2 Stunden einwirken lassen. Für eine intensivere Wirkung könne man auch schwarzen Tee oder Rotwein statt des Wassers verwenden. Eine intensivere Wirkung ist natürlich immer gern gesehen, da ich aber weder Geld scheiße noch Rotwein pisse, brühte ich also einen schwarzen Tee auf. Anschließend füllte ich das Pulver in eine Schüssel, wobei ich registrierte, dass es algengrün war. Nun gut, das mit dem „die Mischung hat nicht dieselbe Farbe wie das Ergebnis“ kennen wir ja schon vom Chemie-Zeug, also entstand auf meiner Seite keinerlei Beunruhigung. Ich mischte das Pulver also mit dem schwarzen Tee, wobei der Algen Geruch immer und immer mehr zunahm. Ca. 300 ml Wasser sollte man verwenden, die hatte ich schon längst an das Algenpulver gekippt, von Brei aber keine Spur, geschweige denn von cremig. Also kippte ich mehr Wasser nach, und mischte und mischte. Irgendwann wurde die Masse tatsächlich breiähnlich, um die Frage der Cremigkeit eindeutig klären zu können, fehlte mir als Akademiker aber definitiv eine Definition von „cremig“. Immer diese unspezifischen Angaben – schlimmer als bei Kochrezepten. Als die Cremigkeit meiner Meinung nach hinreichend gegeben war, begann ich, mir die Schleimscheiße „so heiß wie möglich“ auf die Haare aufzutragen. Der Auftrag hätte genauer lauten sollen: so heiß, wie ihre Hände und ihre Kopfhaut es vertragen können. Da ich nun aber schon angefangen hatte, biß ich die Zähne zusammen und trug weiter auf, "wer schön sein will ... " und "ein Indianer ... " und so, ihr wisst schon. Nach ca. 5 Minuten hatte ich den oberen Teil meines Schädels eingecremt und wollte nun – professionell wie immer – die Haare umklappen, und die Ansätze bearbeiten. Hierbei hatte ich die Rechnung allerdings ohne meine Algenpampe gemacht! Diese war in der Zwischenzeit steinhart geworden und hatte Haare und Kopfhaut zu einer festen Masse werden lassen. Verzweifelt kämpfte ich mit meinen Haaren und es gelang mir, sie umzuklappen. Doch nach einiger Zeit schon merkte ich, wie meine Kopfhaut sich immer mehr zusammenzog. Bilder von Skalpierungen gingen mir durch den stark penetrierten Schädel, und ich arbeitete fieberhaft und rücksichtslos. In Folge dessen verteilte ich das Algenzeug im meinem ganzen Bad: In Spritzern und Klecksen an Boden, Wänden, Waschbecken und Badewanne. Zu allem Überfluss kam auch noch die Katze und wollte die Leckerlis vom Boden auflecken. In dem Moment kam mir die Cremigkeit wieder in den Sinn, die – meiner gequälten Kopfhaut und den versteinerten Haaren zufolge – wohl doch noch nicht gegeben war. Ich rührte also den restlichen Tee unter die Algenmasse, und siehe da: das Zeug ließ sich auf einmal auftragen!
Der letzte Rest war schnell im Haar verteilt, die Haare verschwanden unter einer Haube und unter einem Handtuch, und ich nutzte die 2 Stunden, um das Bad zu putzen. Dann war es Zeit, das Algenmoussé wieder von meinen Haaren zu trennen, wobei ich das Bad erneut einsaute. Und nun kommt das Ende, das jeden enttäuschen wird, der mir in die Falle getappt ist und damit rechnet, dass ich nun wieder mit grünen Haaren durch die Gegend laufe! Nein! Das Ergebnis war völlig zufriedenstellend! Meine Haare sind rot und glänzen! Sie verfärben sogar nicht – wie sonst nach den Friseurbesuchen – alles, wogegen ich mich lehne! Der Aufwand war also enorm, das Preis-Leistungs-Verhältnis aber ansprechend! Ich kann es kaum erwarten, dass mein Haaransatz groß genug ist, um ihn nachzufärben! A.
Dienstag, Juni 19, 2007
Vergnügen auf Rügen
Lesen kann die Phantasie ungemein anregen, manchmal auch den Tatendrang. Letzteres hat das Buch "Elizabeth auf Rügen" bei mir geschafft, über das ich für den Kulturkalender einen kurzen Artikel geschrieben habe. Sonntag Morgen um 9.00 Uhr beschloss ich, der größten Insel Deutschlands noch einmal eine Chance zu geben, und fuhr los, mein Glück zu finden. Ähnlich also, wie bei unserem letzten Rügentrip, nur das die Insel diesmal gleich mein Ziel war. Auf einem Landstraßenparkplatz kaufte ich mir noch ein halbes Kilo Kirschen und überkehrte so fröhlich Kirschkerne auf BMWs spuckend den Rügendamm. Diesmal bog ich gleich nach meiner Ankunft südlich auf die Deutsche Alleenstraße, die ich hiermit offiziell als die schönste Straße bezeichne, die ich in Deutschland je befahren habe. Sie führte mich bis nach Sellin, was 6 Stunden dauerte, da ich in jedem Kleckerdorf anhielt, um mir die Dorfkirche anzugucken oder mich in Richtung Felder oder
Wälder treiben zu lassen. In Putbus bewunderte ich die Schlossanlage und den Platz, auf dem das Schloss stand, bevor es verschwunden ist. Im Hafen Lauterbach am Greifswalder Bodden holte mich das erste Mal der Regen ein, zum Glück nur als kurzer Guss. Erst auf der Rückfahrt brach das Unwetter richtig aus, so dass ich an einem Feldrand hielt und durch den dichten Regen lief. Da ich dann eh schon nass war, fuhr ich gleich auch noch ans offene Meer und ging - wieder bei Sonnenschein - noch eine Runde baden. Warm ist die Ostsee noch nicht, so viel kann ich euch sagen!
Den Samstag war ich bei den Festspielen MV in ULRICHSHUSEN! Na, ruft dieser Name bei einigen Germanisten, die das Glück hatten, Textlinguistik-Kurse zu besuchen, noch Stöhnen hervor? Erleben durfte ich eine Lesung von Armin Müller-Stahl, die wirklich grandios war. Er trug seine eigenen Texte, die durchgängig hochgeradig amüsant waren, mit tiefer, rauchiger Stimme und perfekter, abwechslungsreicher Intonation vor. Da wir VIP-Plätze hatten, konnte ich auch seine Mimik wunderbar erkennen. Einfach herrlich, ich bin begeistert und kurz davor in einen Fanclub einzutreten oder einen zu gründen, wenn es nötig ist.
Freitag war ich bei der Kunstnacht in der Östlichen Altstadt, was auch sehr nett war. Besonders zugesagt hat mir die Ausstellung einer jungen Berliner Künstlerin - Nicole Bianchet - im Heinrich-Böll-Haus (Link: das Foto von der Narcissus Ausstellung ist sogar aud demm Böll-Haus) und die Fotografien von Robert Dämmig in der Galerie am Alten Markt. Sonntag Kletterpark alle man? A.