Sonntag, März 07, 2010

Futterliebe

Mein Kater hat immer Hunger. Habe ich mich morgens mit größter Mühe aus dem Bett gequält, begrüßt er mich gleich hinter der Tür mit einem „Hunger“-Mauzen. Dann geht eine Prozedur los, bei der ich mein Hirn praktischer Weise noch ausgeschaltet lassen kann. Die Mauze geht vor – ich folge. In die Küche, direkt zum Napf. Nach jedem Schritt schaut sie, ob ich noch „bei Pfote“ gehe, gerät dabei auch manchmal zwischen meine Beine, so dass der Morgen fast mit einem Knall beginnt. Versuche ich unauffällig zuerst einen Abstecher ins Bad zu machen, um mein sorgsam angestautes Morgenurin abzulassen, so schneidet sie mir den Weg ab, setzt sich vor mich und mauzt mit großen flehenden Augen: „Hunger!“ Ist der Napf dann erst gefüllt, wird er aber auch schnell uninteressant. Von uns hat ja noch keiner das Katzenfutter weggefressen. Also erst einmal bunkern, und dann noch ein paar Streicheleinheiten abholen.

Auch ich habe immer Hunger. Mein Mann ist der festen Überzeugung, dass ich in der Wildnis am längsten überleben würde, weil ich das letzte Wasser und das letzte Stück Brot bekäme. Merkwürdiger Weise darf ich einen großen Futterneid mein eigen nennen, obwohl ich in der Kindheit nur einen Mitstreiter um das reichlich vorhandene Essen hatte. Ist es an mir, die Nahrung aufzuteilen, bemühe ich mich um ein gerechtes 50:50 Verhältnis. Egal, ob mein Mitesser 20 Kilo leichter oder schwerer als ich ist. Etwas in mir drängt sogar danach, mir immer etwas mehr zu geben, das größere, saftigere Stück Fleisch. Nun bin ich aber in einer Beziehung, was mich in eine verzwickte Lage bringt. Weil ich meinen Partner liebe, muss ich mich um sein Wohlergehen kümmern, sprich: ihm das saftigere Stück Fleisch geben. Das mache ich auch – aber es fällt mir schwer. Doch ich will Futter und Liebe.

Um sein Fressen zu bekommen und trotzdem die Bequemlichkeit nicht aufzugeben, hat mein Stubentiger ein ausgeklügeltes Verfahren entwickelt. Sehen wir abends gemütlich mit unseren Bettdecken im Wohnzimmer fern, so kuschelt sich der Schmusekater direkt zwischen uns. Wollen wir dann ins Bett gehen – natürlich mit der Decke – verharrt er mit großen Augen in seiner Position. Daraufhin holen wir die Leckerlis aus dem Schrank und klappern verheißungsvoll mit der Dose. Anfangs löste das bei dem hungrigen Tier einen bedingten Reflex aus. Es stürmte in die Küche zum Futter und zack – war die Decke unser. Das muss doch auch anders gehen, dachte sich der kleine Kerl und widerstand dem köstlichen Geklapper. Erst wenn eines der kleinen Leckerbissen vor seiner Nase geschwenkt und dann in den Raum geworfen wurde, jagte er dem Objekt seiner Begierde heißhungrig hinterher. Nun aber hat er seine Selbstbeherrschungskräfte vollständig mobilisiert. Er bleibt sitzen, auf der Decke, wo es schön warm und gemütlich ist. Man muss ihn erst mit einem Leckerli anfüttern, damit er überhaupt reagiert. Dann legen wir es ein Stück von ihm entfernt aufs Sofa. Das kluge Tier reckt sich und streckt sich, robbt mit den Vorderpfoten in die gewünschte Richtung und verschlingt das kleine Häppchen – mit dem Arsch stets auf der Decke.

Man kann also beides haben, denke ich mir, während ich den kleinen Kerl beobachte: Futter und einen Platz zum Kuscheln. Dem habe ich meine Strategie angepasst. Ich schaufle meinem Mann jetzt immer wesentlich mehr Essen auf den Teller als mir. Und da er mich liebt, und sich um mich kümmert, gibt er mir mehr als die Hälfte wieder zurück. Bei der Katze sind wir nun allerdings dazu übergegangen, ihr die Decke einfach ohne Leckerbissen unterm Hintern wegzuziehen. Ich hoffe, das passiert mir nicht auch.

8 Kommentare:

star hat gesagt…

hm abgesehen von deinem wie immer wunderbar zu lesenden Beitrag, susi und ich bekommen neuerdings ne Viruswarnung von dem Blog hier und werden einfach weitergeleitet...

noch jemand?

Annika hat gesagt…

War bei mir gestern auch so!!! Deshalb geh ich jetzt auf Arbeit rein. Heute scheint aber alles in Ordnung zu sein ...

Der Wurm hat gesagt…

Ich nehm alles zurück, es geht wieder los .. ahhhhhhhhhhhhhhhhhh

star hat gesagt…

na keine angst, ist nur ne unerwünschte Weiterleitung - einfach Browser anhalten

susi hat gesagt…

habe das problem gelöst. es lag an einem der vielen gadgets. habe das fehlerhafte mistding entfernt. tada!

Annika hat gesagt…

Ihr seid Helden!

Anniko hat gesagt…

Das Klavier, das Klavier war's?

Wiesu denn blus? hat gesagt…

Mein grüner Lieblingsfisch ist weg! Den hat ich schon ganz rund gepeppelt! :-(

Beitragende