Samstag, Februar 24, 2007

bester artikel der woche




hier mal eine andere oscar-statue. und zwar von oscar wilde in dublin zu finden.

Die Zeit Nr. 9 22. Februar 2007 bot mal wieder reichlich text, aber auch viel uninteressantes - ich hab zwar logischerweise noch nicht alles durch (das dauert im schnitt 2 wochen- blöd bei ner wochenzeitung, ich weiß) aber ich habe schon einen favoriten der so schön zum aktuellen tagesgeschehen passt, dass ich euch daran teilhaben lassen will.:

Der schöne Artikel: „So gewinnt man einen Auslands-Oscar“ von Georg Sesslen


  1. „[…]Das derzeitige Durchschnittsalter der Academy-Mitglieder wird auf etwa sechzig Jahre geschätzt, Schauspieler sind signifikant überrepräsentiert. Wie also sollte ein Film aussehen, der – bei solchen Juroren- den Auslandsoscar gewinnen will?
    Der Film muss zugleich genügend „ausländisch“ sein, sollte aber die ästhetischen Codes der Traumfabrik nicht allzu tief verletzen. Er sollte sein Land und seine Geschichte zeigen, dass er den amerikanischen Bildern vom gleichen Gegenstand nicht vollständig widerspricht; er muss ganz ohne Häme gesagt, Teil eines Weltbildes werden können, in dem Konflikte der (von den USA aus gesehen) Peripherie jeweils selbst produziert sind. „Antiamerikanische“ Impulse überlasse man getrost amerikanischen Filmen. Ein guter „ausländischer Film ist einer, der ein leicht exotisches, kleines, abgeschlossenes Land zeigt, das so sehr seine eigenen Probleme und seine eigenen historischen Verletzungen hat, dass man dies schon wieder als emotionale Entlastung empfinden kann. Ein guter ausländischer Film ist immer auch so etwas wie ein Besuch in einem Museum.
  2. Der Film muss in einer traditionellen Erzählweise durch Stimmung und Schauspielkunst überzeugen.
  3. Der Plot muss „aufgehen“, was am Ende in der Regel darauf hinausläuft, die Guten von den Bösen, die Täter von den Opfern, das System vom Einzelnen zu trennen.
  4. Der Film sollte Hollywood nicht gerade auf Gebieten seiner eigenen Stärken Konkurrenu machen. Während sich das Zentrum digitalisiert und entlinearisiert, liebt man an der cineastischen Peripherie das Handgemachte und Authentische.
  5. Die Aussage des Films sollte in höchstens drei Sätzen wiederzugeben sein, von denen wiederum höchstens einer einen einschränkenden Nebensatz enthalten sollte.
  6. Der Film sollte in gewisser Weise einen novelty-Charakter haben. Er zeigt irgendetwas „zum ersten Mal“, er vertritt eine Meinung „zum ersten Mal“. Er ist eher diskursiv als ästhetisch innovativ.
  7. Der Film sollte bereits Anerkennung und Erfolg sowohl bei der Kritik wie beim Publikum aus der Heimat mitbringen; die Versöhnung von Kunst und Kommerz sollte auf diese Weise übertragbar sein.
  8. Lange Zeit hatten beim Auslandsoscar französische Filme die besten Aussichten, nicht zuletzt wegen ihrer Leichtigkeit, der Poesie der Alltäglichkeit. Danach spielten die „leidenschaftlichen“ italienischen Filme, schließlich die „heftigeren“ Filme aus den nördlicheren Ländern ihre Rolle im Preisspiel, dann wurden wiederum besonders politische Filme ausgezeichnet. Der Auslandsoscar drückt auch aus, was im US-amerikanischen Kern der Traumfabrik jeweils gerade fehlt. Warum also nicht einmal eine moralische Eindeutigkeit, lineare Historie, wo doch gerade Hollywood-Filme so ziemlich an allem zu zweifeln beginnen, was in der eigenen Geschichte eindeutig schien?
  9. Mit einem Oscar soll künstlerisches Selbstbewusstsein ausgezeichnet werden. Es ist der Traum von einem Film, bei dem jeder genau weiß, was er zu tun hat. Er ist ein großes persönliches Projekt, aber kein radikaler Autorenfilm. […]“

Der autor meint, dass „Das Leben der Anderen“ perfekt dazu passt… wird sich zeigen.

Aber der artikel insgesamt war für mich sehr schön, denn früher fand ich den oscar doof, weil er meiner meinung nach viele schöne filme vernachlässigte und den mainstram zu stark bediente. Nun merkte ich aber erst, dass mir das wichtigste entgangen war. und zwar das:
es dabei ja gerade darum geht „die beiden widersprüchlichen Impulse des Kinos miteinander zu versöhnen, nämlich Kunst und Handwerk auf der einen, Kommerz und Industrie auf der anderen Seite. Wer es nach einer Seite hin übertreibt, ist nicht, was im entsprechenden Jargon als „oscarreif“ gilt.“

lieber herr georg sesslen: vielen dank für diesen erleuchtenden artikel.

ich finde die oscar-verleihungssachen zwar immer noch irgendwie komisch- aber jetzt ärgere ich mich bestimmt nicht mehr wenn meine favouriten verlieren oder ignoriert werden oder gar nicht dabei sind oder filme wie "fight club" nur für die effekte und sound effects nominiert oder "eternal sunshine on a spotless mind" nur fürs drehbuch und nicht für die regie oder die ausstattung kriegt.... blabla



Meine hoffnung zur oscar-nacht: dass endlich martin scorsese einen als regisseur kriegt… und irgendwie wünsche ich mir das es „das leben der anderen nicht schafft“ – martina gedeck durfte nämlich nicht mit weil nur für 4 mann platz war. jeder ausländische film bekommt nur 4 plätze und der regisseur nimmt lieber den schauspieler von der figur des dichters (namen vergessen) mit.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

ha, ich hab gestern noch im fernsehen gesehn, dass die frau schauspielerin doch mit darf- die haben eine extrakarte bekommen. das ist sehr nett.

.hejRon hat gesagt…

Sehr schöner Text!
Gestern (29.02) habe ich mir Pans Labyrinth angeschaut, ob ich ihn gut oder schlecht fand... im aktuellen Post meines Blogs nachzulesen!

Beitragende