Nachdem ich letztes Wochenende an der Tagung des Museumsverbandes Mecklenburg-Vorpommern in Barth teilgenommen habe, fühle ich mich langsam als vollwertiges Mitglied der hiesigen Kulturszene. Es waren tatsächlich zwei ganz tolle Tage! Der Sonntag war geprägt von Vorträgen, die dadurch interessant wurden, dass der Museumsverband den Aufstand probte und einen Offenen Brief verabschiedete, in dem sie erklärten, dass die Museen sich in einem dramatischen Zustand befänden, der das Bewahren des Kulturguts für spätere Generationen nicht mehr ermögliche. Alles wurde an die Presse weitergeleitet und Dienstag tatsächlich auch groß darüber berichtet. (Also in Meck-Pomm zumindest.) „Das ist wie früher“, hörte man aus allen Ecken, „du danach haben sie die DDR gestürzt.“ Ob es einen solch immensen Effekt haben wird, möchte ich aber stark anzweifeln.
Genächtigt wurde in einem Ferienpark in leicht pekigen Bunalows. Meinen durfte ich mir mit Dr. Schmied – den ich zum Glück schon kannte, da er neben seiner Funktion als Legenden-Forscher ach freier Redakteur bei uns ist, und Dr. Hoppe. Die beiden teilten sich zu zweit ein Doppelbett und ich hatte in meinem Einzelzimmer drei einzelne Liegen zur Auswahl – gute Organisation. ;-) Ach, Info für Yvonne: Dr. Schmied verwendet „Legenden“ in der Alltagssprachlichen Bedeutung.
Der Abend wurde lang und feucht, ich habe total viele interessante und nette Leute kennengelernt. Die beste Begegnung war mit einem gewissen Hans Pölkow, der in seiner Jugend Schauspieler war, und schon für Bert Brecht auf der Bühne stand. Da er nebenbei schon immer Portraitfotograf war, hat er den guten Brecht auch gleich ausgiebig fotografiert. Später hat er sich gegen die Schauspielerei und für deren Kritik entschieden. Heute ist er Publizist und stellt nebenbei seine Fotos immer mal wieder zusammen mit anderen Künstlern aus. Den guten Mann habe ich mir gleich gekrallt und werde demnächst ein Portrait über ihn schreiben. Olè!
Montag war Ausflugstag. Die ganzen alten Herren und ich wurden in einen Bus gestopft und dann ging es Schulausflugs- (oder Wandertags-)mäßig von Museum zu Museum. Begonnen wurde mit „Kunst auf Schienen“ – das sind Wagons der alten Darß-Bahn, in denen Kunst ausgestellt wird. Dann ins Vineta-Museum, wo ich mir Radierungen von Rembrandt ansehen durfte. Das war faszinierend, besonders da die Bilder alle nur Briefmarkengröße hatten. Susi, du erinnerst dich doch sicher an das „Selbstportrait mit aufgerissenen Augen“, das am Rembrandt-Museum in Amsterdam hing – ich hab das Original gesehen! Und echt – es ist winzig! Es folgte eine Stadtführung durch Barth und dann ging es ab nach Trinvillershagen – klingelt es schon bei jemandem? Ich geb noch ein Stichwort: Wildschwein. Ja, ich durfte dort speisen, wo der gute Herr Bush Obelix Leibgericht verzehrt hat. Die machen ein Theater daraus – unglaublich. Und hässlich ist es auch noch. Und teuer und schmeckt nicht. War alles scheiße. Na, war Bush wohl gerade würdig.
Abschließend ging es dann nach Ribnitz-Damgarten und ins Bernsteinmuseum – was sich wirklich gelohnt hat. Die Sonderausstellung bestand aus Bernstein, der mal interessante Viecher konserviert hat, unter anderem Mücken, Flöhe (!), Spinnen und sogar einen Gecko-Kopf. Das war echt irre – Paradies im goldenen Sarg! Danach wurde noch das angrenzende Kloster bewundert, das demnächst zu einem Museum umgebaut wird. Das hatte echt Flair!
Dienstag folgte dann gleich mein Interview-Termin mit der Kunstschule, das sehr gut verlaufen ist. Ich hab auch einen ganz netten Artikel darüber geschrieben und sogar eine halbe Seite mit Foto bekommen. Außerdem hab ich mir die Mohns – beide Künstler – auch gleich für ein Portrait gekrallt. Heute hatte ich frei – wie ihr alle – und war stundenlang am Strand spazieren. Morgen muss der Kulturkalender fertig werden, also wird es ein stressiger Tag, und abends kommen zur Belohnung dann meine Eltern zu Besuch.
Da ich so viele Uni-Anspielungen gemacht habe, zum Abschluss nun noch ein paar Fotos für alle, die den Ort ihrer unbeschwerten Studienzeit manchmal ein wenig vermissen. Macht euch alle ein schönes Wochenende! A.


5 Kommentare:
mensch annika! so viel begeisterung, abgerundet mit etwas wehmut. du machst ja ein gefühlschaos durch. :-)
ich hab bloß überlegt, ob ich später auch so über meine uni denken werde...
liebe grüße
holla- volles programm bei dir! schön das alles auch spaß macht! übrigens: kompliment! die fotos sind echt toll geworden!!!
hebst du die kulturkalender auf? ich will beim nächsten rostock-ausflug deine werke bewundern...
@ tyra: Im Nachhinein kommt einem alles viel toller vor, als es war. Im Moment klingt in der Aussage noch (unhörbare) Ironie mit, aber nur noch ein paar Jahre, dann hab ich Hausarbeiten und Prüfungsstress vergessen, und mit ihnen langweilige Vorlesungen und noch langweiligere Seminare zu unmenschlichen Uhrzeiten... Alles was dann noch bleibt ist die beste Zeit deines Lebens!
@Susi: Na klar heb ich die auf. Ist aber nicht viel von mir drin, vieles kommt erst ins Juli-Heft. ABer jeden Fehler, den du entdeckst habe ich höchstpersönlich übersehen!! Ich hoffe übrigens, dein nächster Rostock-Ausflug ist bald! Wird langsam fad hier, ich glaub, ich muss mir bald mal neue Freunde suchen... DIeses WE mussten schon meine Eltern herhalten!
na ich hab mir ueberlegt, _bis_ freitag bring ich sie mal mit die gute susi, dann kommt ja soeren abloesen ;)
selbiges haben mir auch schon leute über die schule gesagt...
aber bezüglich der uni kann ich mir das eher vorstellen
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