Montag, April 07, 2008

Lebet sie noch oder stürbet sie schon?

Diese Antwort ist einfach: Sie lebet noch und sie bloggt auch wieder. Eine herzliche Entschuldigung für das lange und große Schweigen, die Zeit rannte mir die letzten Monate so durch die Finger, dass ich am liebsten Proust zitieren möchte - was ich aber nicht mache. Die folgenden Zeilen sollen also dazu dienen, aufzudecken, was mich alles so vom Bloggen abgehalten hat.

Mein letzter richtiger Eintrag war (ojottojott) aus Leipzig im Oktober. Seitdem arbeite ich ja als freie Lektorin und Journalistin, wobei ersteres zurecht erstgenannt ist. Angefangen habe ich mit einem Honorar unter dem Existenzminimum, mittlerweile habe ich auch die Vermarktung der Bücher übernommen, seitdem ... ja, kriege ich etwas mehr. Pünktlich zur Buchmesse sind drei von mir lektorierte Bücher erschienen (da ich mich hier in erlauchten Kreisen befinde, wisst ihr sicherlich im Vergleich zu 90% der Bevölkerung, dass Lektorieren NICHT NUR Korrektur lesen bedeutet!). Bei
Interesse dürft ihr sie euch gerne ansehen: www.klatschmohn.de/neuerscheinungen. Die Seite wird inhaltlich übrigens auch von mir versorgt - immer her mit der Kritik (aber bitte nett formuliert). Als treue Blogleser werdet ihr feststellen, dass auch die "Mecklenburger Schlachtefibel", die mich zu Praktikumszeiten leicht aus der Fassung gebracht hat, erschienen ist. Und ich kann euch sagen, Formulierungen wie "ausbluten lassen" oder "die Zunge schälen" jucken mich Fleischverschmäher überhaupt nicht mehr.

Im Rahmen meiner erweiterten Kompetenzen war ich auch mit auf der Leipziger Buchmesse anwesend, was anstrengend aber sehr interessant war.


Mein persönliches Highlight war unsere Lesung im Panometer, die ich so erfolgreich beworben hatte, dass der Platz für die Menschenmassen gar nicht ausreichte. Pfarrer Puttkammer las
seine erotischen Geschichten also vor großem Publikum, das zudem auch noch begeistert war, ebenso wie ich.


Mein persönlicher Tiefpunkt war es, das erbärmliche Schicksal des Christian Anders zu verfolgen, der mich schon vom ersten Tag an von Abermillionen Plakaten aus debil angrinste. Er hatte nun auch noch den Stand direkt in unserer Nähe, ein 2 Quadratmeter großes Kabuff - wirklich, ein Viertel von unserem Stand und wir sind nicht Piper! Dort hing er den lieben langen Tag neben einem überdimensionierten Antlitz seiner selbst, soff "Champagner" - eine Flasche davon stand vorne, hinten füllte er immer heimlich Rotkäppchen nach - und versuchte krampfhaft, Autogrammkarten loszuwerden. Neben ihm seine aufgedonnerte Verlegerin, die ihn um einiges überragte und so stark geschminkt war, dass das Make-up begann, abzubröseln. Manchmal torkelten sie auch Arm in Arm den Gang entlang. Und so geht das jedes Jahr, hat mir mein Kollege erzählt.



Zurück zur anderen erbärmlichen Geschichte - meiner. ;-) Nebenbei journaliste ich ja auch noch ein wenig, besonders für den Kulturkalender. Ich bin nun offiziell die Rezensentin, habe eine eigene Rubrik, in der ich über Bücher, Filme und CDs herziehen darf. Zumindest könnte ich das, wenn ich nicht die Auflage hätte, nur Empfehlungen zu schreiben. Zusätzlich schreibe ich jeden Artikel, den ich sonst noch so kriege. Für den Mai ist wieder ein Porträt dran - wir lesen uns im nächsten Blog-Eintrag! Hin und wieder bringe ich auch mal etwas in anderen kleinen Zeitschriften unter, zudem werde ich während der Hanse Sail im dortigen Pressebüro arbeiten. Dieses hat meine Chefin dann auch dazu bewogen, den Satz zu äußern "wir müssen mal über mehr Geld sprechen" - jeder kennt ja die Vorteile einer Monopol-Stellung. Mir solls recht sein - her mit den Moneten!

Ansonsten mache ich auch noch andere lustige Sachen, so wie letztes Wochenende einen Kurs zu 3-D-Animationen. Zwar kann ich noch nicht animieren und nicht texturieren, aber ich habe einen GRAUenvolle Obstkorb geschaffen und bin sehr stolz darauf!



Soweit ein paar Schwänkerl aus meinem Leben. Wir sehen uns wieder, wenn es heißt: Was hat Annika die letzten 6 Monate so getrieben. Ach nein, zuerst beschwere ich mich ja darüber, dass ich keine Porträts schreiben kann! A.


6 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

bis gerade eben, war mir die person hinter der tragischen "rotkäppchen-genießer"-existenz vollkommen unbekannt. dank wikipdeia stehe ich jetzt aber voll auf der höhe und grusele mich jetzt einfach noch ein wenig weiter...

Anonym hat gesagt…

ankündigung:
die fortsetzung meines jahresrückblicks stelle ich am freitag rein, dann hat nadine auch noch die chance was zu schreiben ;o)

das wir immer alle gleichzeitig lust aufs bloggen bekommen :o) aber so kommt wieder etwas leben in die bude.

star1138 hat gesagt…

es faehrt ein zug, nach nirgendwo, mit mir aleeeeein als pasagier.....

hach irgendwie mag ich das ja =)

.hejRon hat gesagt…

das die texte vom herrn anders auch so treffend sein müssen..

ich als fan deiner texte war wieder höchst amüsiert und freue mich auf eine baldigst erscheinende erweiternde erzählung aus deinem jounaliendasein

:o)

Annika hat gesagt…

Du willst dich doch nur an meinem Leid ergötzen! ;-)

.hejRon hat gesagt…

ergötz ergötz ergötz... :.)

Beitragende